Viele Fremde

Sonnenaufgang_Fremde

Viele Fremde. – Wir als Weltmärkte-Bummler freuen uns über die internationalen Produkte. Wenn wir sie kennenlernen und nutzen, machen sie unser Leben bunter. Meistens denken wir gar nicht darüber nach, woher die Produkte ursprünglich kommen. So möchte ich auch mit den Fremden umgehen, die als Flüchtlinge unsere Hilfe suchen. Ich freue mich darüber, wenn es mir gelingt, neugierig zu sein und jemand gut kennen- und manchmal sogar schätzen zu lernen. Außerhalb der Verbandsgemeinde, in der ich wohne gibt es 79.990.000 mir fremde Deutsche und 7.219.990.000 mir Fremde aus aller Welt.

Interessiert? –> Dann lesen Sie, was mich nachdenklich gemacht hat und die Anregung geliefert hat:

 

RHEINPFALZ.de: Do, 1. Oktober 2015 – http://www.rheinpfalz.de/lokal/mittelhaardter-rundschau/artikel/ach-nur-ein-fremder-also-1/

Ach, nur ein Fremder also! 
Landau: Manchmal ist Verbohrtheit viel schmerzhafter als eine blutende Hundebisswunde – Beobachtungen in einem Weinberg

Von Klaus Pfenning

Man hört und liest derzeit viel über Fremde. Wobei, so viel ist sicher, jeder für sich definiert, wo Vertrautheit aufhört und Fremdes beginnt. Manche haben da ihr ganz eigenes Verständnis.

Auf einem Radweg in den Weinbergen westlich von Landau, nahe einem jener idyllischen Dörfchen, entspann sich dieser Tage ein heftiger Disput zwischen einer einheimischen Hundebesitzerin und einem Radfahrer von der anderen Seite des Rheins. Einem waschechten Kurpfälzer, dort geboren, dort aufgewachsen, dort wohnhaft. Männlich, weiß, verheiratet, Akademiker, zweite Lebenshälfte. Bei gutem Wetter – und an diesem Tag war gutes Wetter – kann man seinen Wohnort vom Ort des Geschehens sogar sehen. Irgendwo hinter dem Mannheimer Großkraftwerk, zwischen den Reben der badischen Bergstraße, an den Hügeln des Odenwalds.

Der Disput entspann sich deswegen, weil der pfälzische Hund den Radfahrer urplötzlich ins badische Knie gebissen hatte. Eigentlich nicht der Rede wert, eine kleine Bisswunde mit ein bisschen Blut, der Schreck war größer. Dennoch gab’s am nächsten Tag einen Arztbesuch. Sicher ist sicher. Tetanus und so. Der Hund konnte sich nicht entschuldigen, der Besitzerin fiel ein „Tut mir leid! Wie geht es Ihnen?“ sichtlich schwer. Schuld sind schließlich immer die anderen. („Das hat er noch nie gemacht … Sie haben ihn erschreckt … wenn man auch so durch die Weinberge rast … typisch Radfahrer halt … blablablablabla“) Irgendwann tauschte man Namen und Adressen aus, dem jeweils anderen sichtlich wenig zugetan.

Ach, ein Fremder sei er also, meinte daraufhin die Hundebesitzerin zum Radfahrer. Und stieß damit beim Badener auf mittleres Unverständnis. Er wohne nicht am Ort, fügte sie hinzu, also sei er ein Fremder. Man habe ihn dort noch nie gesehen (was richtig ist). Ob er das denn nicht kapiere? Dass er ein Fremder sei. Nein, kapierte er nicht. Auch nicht nach zweimaligem Nachfragen, was denn nach ihrer Definition ein Fremder sei. Einer der nicht aus dem Ort komme! Basta!

Laut Wikipedia hat das hübsche Dorf westlich von Landau rund 600 Einwohner. Deutschland hat 80 Millionen. Für die Hundebesitzerin gibt’s demnach in Deutschland 79.999.400 Fremde. Vom Rest der Welt ganz zu schweigen, Syrien oder Afghanistan zum Beispiel. Der Radfahrer nannte der Dame auch seinen Beruf, Journalist. Wenn sie ihren Namen in der Zeitung lese, würde sie ihn verklagen, ätzte sie ihm hinterher. Für manche endet Vertrautheit offensichtlich am Schild „Ortsende“. Manchmal auch davor. Leider.

Der Autor

Klaus Pfenning ist freier Journalist. Er lebt bei Weinheim, in Hirschberg-Großsachsen. Ob er nun verklagt wird? Toi, toi, toi. Hoffentlich nicht.